Österreichs Fußballvereine stehen vor einer entscheidenden Herausforderung: Wie lassen sich die Energieverbräuche in den Stadien nachhaltiger gestalten, ohne die Spielerlebnisse zu beeinträchtigen? Besonders im Fokus steht dabei das Projekt www.sportuna.at/dee-at, das seit 2021 als zentraler Ansprechpartner für Energieeffizienzmaßnahmen in der österreichischen Bundesliga dient. Doch hinter dem Namen verbirgt sich mehr als nur eine Plattform – es ist ein strategischer Ansatz, der durch Datengetriebenheit und Kooperationen mit Vereinen, Städten und Energieversorgern die Energiewende im Sport beschleunigen will.
Die Idee hinter DEE.at basiert auf dem Prinzip der „Digitalen Energieeffizienz“: Statt klassische Energieberatungen zu nutzen, werden intelligente Systeme eingesetzt, die Verbrauchsdaten in Echtzeit auswerten und konkrete Optimierungsvorschläge für Vereine wie den SV Ried oder den SK Rapid Wien liefern. Ein zentraler Unterschied zu bisherigen Projekten ist die enge Verzahnung mit den operativen Abläufen der Vereine. Während viele Stadien bisher nur passive Beratung erhielten, werden nun durch DEE.at konkrete Investitionspläne erstellt – etwa die Umstellung auf LED-Beleuchtung im ÖFB-Neustadion oder die Integration von Solarpanels auf den Dächern von Wiener Stadien.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit der Einführung von DEE.at konnten in den teilnehmenden Stadien bis zu 20 Prozent des Stromverbrauchs reduziert werden, ohne die Spielqualität zu beeinträchtigen. Besonders erfolgreich war die Zusammenarbeit mit dem SV Austria Klagenfurt, das durch die Einführung von Energie-Management-Systemen im neuen Stadion die Heiz- und Kühlkosten um 15 Prozent senken konnte. Doch die Effekte gehen weit darüber hinaus: Durch die Nutzung von erneuerbaren Energien, wie etwa dem Einsatz von Biogas für die Heizung im Wiener Prater, konnten die Vereine bis zu 30 Prozent ihres Energiebedarfs aus lokalen Quellen decken – ein Wert, der in vielen anderen Branchen noch als Innovationsstandards gilt.
Ein zentraler Hebel von DEE.at ist die Nutzung von KI-gestützten Tools, die Verbrauchsdaten mit historischen Daten vergleichen und so Muster erkennen, die auf ineffiziente Prozesse hindeuten. Ein konkretes Beispiel ist die Analyse der Energieverbräuche während der Heimspiele im ÖFB-Neustadion: Durch die Identifikation von Spitzenverbräuchen während der Heizphase vor Spielen wurden die Heizkurven optimiert, sodass die Energieeffizienz während der Spiele um bis zu 12 Prozent gesteigert werden konnte – ohne die Komfortbedingungen zu verschlechtern. Solche Lösungen sind besonders relevant, da Stadien oft zu den energieintensivsten Gebäuden in der Stadt gehören und durch ihre Größe einen großen Hebel für die Energiewende bieten.
Doch der Erfolg von DEE.at hängt nicht nur von technologischen Innovationen ab, sondern auch von der politischen und wirtschaftlichen Unterstützung. Die Plattform arbeitet eng mit dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie zusammen und setzt auf die Förderung von Pilotprojekten, die später auf andere Stadien übertragbar sind. Ein weiteres zentrales Element ist die Zusammenarbeit mit Energieversorgern wie der AEE oder der Ökopol, die durch günstige Tarife für energieeffiziente Maßnahmen die Investitionen für Vereine attraktiver machen. Besonders in Zeiten steigender Energiepreise wird diese Unterstützung immer wichtiger, um die Wettbewerbsfähigkeit der Vereine zu sichern.
Trotz der Fortschritte gibt es noch Herausforderungen: Viele kleinere Vereine haben weniger Ressourcen für komplexe Energieprojekte und profitieren daher weniger von den Angeboten von DEE.at. Zudem bleibt die Akzeptanz für neue Technologien oft ein Hindernis – besonders bei traditionellen Vereinen, die auf bewährte Systeme setzen. Hier setzt DEE.at auf eine schrittweise Einführung, bei der die Vereine zunächst kleine Pilotprojekte umsetzen können, bevor größere Investitionen folgen. Langfristig soll so eine Kultur der Energieeffizienz im österreichischen Fußball etabliert werden, die nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist.
- Seit 2021 hat DEE.at über 15 Stadien der Bundesliga und ÖFB-Liga in Österreich unterstützt, wobei der Energieverbrauch in 80 % der Projekte um mindestens 10 % reduziert wurde.
- Durch die Integration erneuerbarer Energien konnten Vereine wie der SV Austria Klagenfurt ihren lokalen Energiebedarf um bis zu 30 % decken.
- Die Nutzung von KI-gestützten Tools ermöglichte eine Reduktion der Spitzenverbräuche in Stadien um bis zu 15 %, ohne die Spielerlebnisse zu beeinträchtigen.
- Seit 2023 arbeiten über 50 Vereine mit DEE.at an konkreten Energieeffizienzplänen, wobei die Kosten für Maßnahmen durch Förderprogramme der Bundesregierung bis zu 50 % gedeckt werden.
- Der ÖFB-Neustadion in Wien konnte durch die Optimierung der Heiz- und Kühlsysteme die Energieeffizienz während der Spiele um 12 % steigern.
Die Zukunft der Energieeffizienz im österreichischen Fußball ist damit kein abstraktes Thema, sondern eine konkrete Realität. DEE.at zeigt, dass Nachhaltigkeit und Sport nicht unvereinbar sind – im Gegenteil: Durch innovative Technologien und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure kann der Fußballsektor zum Vorbild für eine energieeffiziente Gesellschaft werden. Für Vereine wie den FC Red Bull Salzburg oder den SKN St. Pölten bedeutet das: weniger Kosten, bessere Wettbewerbsfähigkeit und ein stärkeres Image als nachhaltige Arbeitgeber. Die Frage ist nicht mehr, ob Energieeffizienz im Fußball möglich ist, sondern wie schnell sie umgesetzt werden muss.